Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen Mainz

StartAktuellFindenMaterialĂśber unsLinksArchiv

Wie entscheidend ist die lokale Perspektive fĂĽr Konfliktanalyse und -bearbeitung?

Referentin: MMag. Melanie Hussak, Friedensakademie Rheinland-Pfalz

Freitag, 15. September 2017, 16 bis 19 Uhr

MAINZ, Landeszentrale fĂĽr politische Bildung Rheinland-Pfalz, Am Kronberger Hof 6

Eine Veranstaltung der Projektgruppe Zivile Konfliktbearbeitung Rhein-Main 

Faltblatt zur Veranstaltung

Neue Ideen der Friedensforschung

Im Jahr 2017 nimmt die Projektgruppe Zivile Konfliktbearbeitung Rhein-Main neue Ansätze der Friedens- und Konfliktforschung in den Blick. Wir laden bewusst jüngere Kolleginnen und Kollegen aus der Forschung ein, um zu einem Austausch über die engen Fachbereichsgrenzen hinweg und zum Dialog von Theorie und Praxis beizutragen.
 

Wie entscheidend ist die lokale Perspektive fĂĽr Konfliktanalyse und -bearbeitung?

Mit Konfliktanalysen werden Ursachen und Strukturen von Konflikten untersucht. Sie bilden somit die Grundlagen für den Handlungsrahmen der nachfolgenden Konfliktbearbeitungen. So gesehen sind nicht nur die konkreten Maßnahmen und Initiativen zur Konfliktbearbeitung, sondern schon die jeweils zugrunde liegende Analyse eine Intervention von außen, die Auswirkungen auf den Konflikt und sein Umfeld haben können. Derartige Interventionen sind keine neutralen, objektiven Deutungen eines Konflikts. Vielmehr werden sie auch durch die Individualität der Analyst/-innen und durch die zugrunde liegenden Denkmuster und Weltsichten geprägt. Die Grundannahmen und theoretischen Verortungen spiegeln zudem ein oftmals westlich geprägtes Wissenschafts- und Konfliktverständnis wider.

Im Bereich der Konfliktprävention und Konfliktbearbeitung wird in letzter Zeit ein sogenannter »local turn« als Hinwendung zum Lokalen als Bestandteil von Peacebuilding diskutiert und praktiziert. Auch in der Konfliktanalyse sind ein stärkerer Einbezug lokaler und kultureller Zusammenhänge und eine Reflexion von spezifischen, kulturellen Denkmustern notwendig.

Wissen ist immer auch von den jeweiligen kulturellen, historischen und ideologischen Kontexten geprägt. Auch wissenschaftstheoretische Positionen können als »wissenschaftliche Weltbilder« im Sinne westlich-kultureller und historisch in die europäische Ideengeschichte eingebetteter Wissenssysteme betrachtet werden, die unsere Wahrnehmungen und unsere Erkenntnisse der Welt prägen.

Melanie Hussak betrachtet in ihrem einleitenden Vortrag Konfliktanalysen vor dem Hintergrund der jeweils zugrunde liegenden Weltsicht einer Gesellschaft. Anhand zweier Fallbeispiele aus dem nordamerikanischen und afrikanischen Kontext zeigt die Referentin, dass Methode, Auswahl von Konfliktmerkmalen und -charakteristika sowie Ergebnis einer Konfliktanalyse in einem hohen Maße kulturell und durch den gesellschaftlichen Rahmen geprägt sind.

Was also tun, um zu sachgerechteren Ergebnissen zu gelangen? Melanie Hussak schlägt vor, lokale Komponenten in Konfliktanalysen zu berücksichtigen. Dafür stellt sie einen theoretischen Rahmen für Konfliktanalysen vor und zeigt so, wie bedeutsam dieser Ansatz für die Friedens- und Konfliktforschung und besonders für die Praxis der Konfliktbearbeitung sein kann.

Die Referentin, MMag. Melanie Hussak, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Friedensakademie Rheinland-Pfalz – Akademie für Krisenprävention und zivile Konfliktbearbeitung. Die Friedensakademie Rheinland-Pfalz ist als »besondere wissenschaftliche Einrichtung« an der Universität Koblenz-Landau verankert. Melanie Hussak absolvierte an der Universität Wien die Diplomstudien Politikwissenschaft und Volkswirtschaft sowie das Nachdiplomstudium »Interdisciplinary Conflict Analysis and Conflict Resolution« an der Universität Basel. In ihrer Dissertation beschäftigt sie sich derzeit mit unterschiedlichen kulturellen Vorstellungen von Frieden sowie hieran angelehnten Praktiken und Methoden der Konflikttransformation. Vor der Tätigkeit an der Friedensakademie Rheinland-Pfalz war Melanie Hussak am Österreichischen Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung an der Burg Schlaining sowie als selbstständige Trainerin für Kinder, Jugendliche und Lehrkräfte in Österreich und der Schweiz tätig.
 

 

Zur Projektgruppe Zivile Konfliktbearbeitung Rhein-Main gehören

  • DFG-VK Bildungswerk Hessen e.V.
  • Fachbereich Frieden im Zentrum Oekumene der EKHN und der EKKW
  • Landeszentrale fĂĽr politische Bildung Rheinland-Pfalz
  • pax christi-Diözesanverband Limburg
  • pax christi-Diözesanverband Mainz
  • Referat Weltmission/Gerechtigkeit und Frieden im Bistum Mainz

Um planen zu können, würden wir uns über eine Anmeldung freuen. Anmeldungen und Kontakt zur Projektgruppe: pax christi-Diözesanverband Limburg, Dorotheenstr. 11, 61348 Bad Homburg. Tel.: 06172-928679, Fax: 06172-673340. friedensarbeiter<at>pax-christi.de

Letztes Update: 06.09.2017 18:50
Druckversion Kontakt Impressum