Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen Mainz

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Redebeitrag 22.02.05, Uta Binz (DFG-VK Mainz)

Liebe BĂĽrger und BĂĽrgerinnen,
Gäste und Besucher von Mainz,
liebe Zuhörer und Zuhörerinnen,

nicht nur die Älteren unter uns blicken auf Herrn Bush, den Vertreter des am stärksten militärisch aufgerüsteten Staates der Welt, mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Zwar wurde vor sechzig Jahren durch das militärische Eingreifen der Vereinigten Staaten u.a. die grausame Nazidiktatur beendet. Aber damals wurde auch unser schönes altes Mainz in Schutt und Asche gelegt, und viele Menschen starben bei den Bombenangriffen, die nicht nur militärische Ziele treffen sollten, sondern - wie ich selbst erleben musste - absichtlich auch Zivilisten, damit der Feind schneller kapitulierte. Dieser Feind hatte schon zuvor durch Fliegerangriffe auf Städte unermessliches Leid gebracht. Nicht vergessen ist aber auch die Hilfe, die viele Deutsche erfahren haben, etwa die Luftbrücke nach Berlin, und vieles mehr. Hinter aller Hilfe stand aber immer auch politisches Kalkül. Im wieder aufgebauten und militärisch erstarkten Deutschland wurde ein riesiges Arsenal von Waffensystemen für den Einsatz gegen den Feind im Osten gelagert. Diesen Feind gibt es zum Glück nicht mehr. Aber Waffen, auch atomare, lagern immer noch hier, und alliierte Soldaten sind auch noch da.

Warum wohl?

Inzwischen haben sich Army und Air Force unter den Bushs zu weltweiten Eingreiftruppen entwickelt, die überall Kriege beginnen, wo es ihnen aus machtpolitischen und wirtschaftlichen Gründen opportun erscheint. Angeblich sollen Diktaturen beseitigt und Massenvernichtungsmittel eliminiert werden. Dass kriegerisches Vorgehen der betroffenen Region keinen Frieden bringt, sondern Selbstmordattentate und bürgerkriegsähnliche Zustände, kann man täglich im Irak sehen. Im Iran würde sich das Dilemma wiederholen, marschierten amerikanische Soldaten ein.

Mit edlen Motiven, Demokratie bringen zu wollen und Atomanlagen zu vernichten, die die ganze Menschheit bedrohen, lassen sich aufkeimende Zweifel und Gewissensbisse wegen eines angezettelten Angriffskrieges leicht unterdrücken. Auch Unterstützerstaaten solcher Angriffskriege beruhigen sich mit ähnlichen Ausreden. Grundsätzlich sind ja diese edlen, humanitären Motive nicht zu verwerfen, nur die Mittel und Wege, auf denen sie umgesetzt werden sollen.

Als Christin erwarte ich besonders von einem Politiker wie Ihnen, Herr Bush, der religiös sein will, dass er im Geiste der Bergpredigt, der Kernaussage des Christentums, und nicht nach der Aug'-um-Auge-Devise unermüdlich versucht, gewaltfrei durch Verhandlungen und Diplomatie Konflikte zu lösen. Dass in diesen Zusammenhang auch weltweites Abrüsten gehört, versteht sich von selber. Nutzen Sie doch die Chance als einer der mächtigsten und einflussreichsten Männer und machen Sie Friedenspolitik, die diesen Namen wirklich verdient. Zeigen Sie der Welt, dass im Christentum die Kraft der Liebe und Versöhnung wirkt. Verhelfen Sie dieser Kraft zum Sieg über Hass und Terror. Dann wird unsere Welt bald menschlicher aussehen. Die Mainzer sind bekanntlich gastfreundlich und feiern gerne. Viele würden auch Sie, Herr Bush, mit offenen Armen empfangen, kämen sie mal wieder als Mann des Friedens.

Ich appelliere auch an Sie, liebe Zuhörer und Zuhörerinnen. Verweigert euch gewissen Parteien und Politikern. Gebt ihnen nicht eure Stimme bei Wahlen, wenn sie Kriege ermöglichen und Kriege unterstützen.

Aus leidvoller Erfahrung wissen gerade wir Mainzer und alle Menschen, die ihn erlebt haben, Krieg ist ein Verbrechen an der Menschheit.

Letztes Update: 03.11.2007 13:06
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