Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen Mainz

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Peter Silbereisen: Urangeschosse - die nicht explosiven Atomwaffen

Peter Silbereisen ist Mitglied der Deutschen Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) Gruppe Wiesbaden

Liebe Friedensfreundinnen und -freunde,

ich möchte Euer Augenmerk lenken auf eine erschreckend unbeachtete Massenvernichtungswaffe: Diese ist zwar seit 60 Jahren bekannt und seit 15 Jahren in großem Stil im Einsatz, wird aber von der Öffentlichkeit fast völlig ignoriert, obwohl sie uns alle ganz elementar bedroht: Jeden Einzelnen von uns, hier und jetzt und fĂŒr alle Zukunft!

Ich spreche von Urangeschossen. Und ich meine damit nicht die so genannten Atombomben, nein, ich spreche von Projektilen fĂŒr Gewehre und Kanonen aus sog. abgereicherten Uran. Das Wort „abgereichert“ klingt dabei ausgesprochen harmlos. Und selbst die englische AbkĂŒrzung fĂŒr deren „Depleted Uranium“ („DU“) klingt im Deutschen noch so wie „Du und ich“.

Uran aber ist ein hochgiftiges Schwermetall mit sehr starker RadioaktivitĂ€t und einer Halbwertszeit von 4einhalb Milliarden Jahren. Mit diesem Zeug ist in keinem seiner Erscheinungsformen zu spaßen! Daher schlage ich vor, die eben zitierten verniedlichend-ideologischen Beschreibungen von nun an zu ersetzen durch faktische Definitionen wie „Urangeschosse“, „Strahlenprojektile“, „radioaktive Munition“ o.Ă€.

Die natĂŒrlichen Vorkommen des Urans mit seiner spezifischen Mischung verschiedener Atomgewichte (234, 235, 238 und 239) heißen „natĂŒrlich“ oder „jungfrĂ€ulich“: Diese werden aber zu ihrer Verwertung in langwierigen Prozessen neu gemischt: Uran 235 wird geringfĂŒgig vermehrt zu angereichertem Uran fĂŒr Bomben oder Reaktoren (Beide sind nicht nur vom Bauprinzip her sehr Ă€hnlich: Eine tatsĂ€chliche friedliche Nutzung der Kernspaltung ist von daher praktisch ausgeschlossen !). Als Abfallprodukt entsteht abgereichertes Uran mit einem höheren Anteil an Uran 238.

Dabei strahlt das abgereicherte Uran 238 zwar eher indirekt ĂŒber eingeatmete, geschluckte oder ĂŒber Wunden in den Körper gelangte feinste Teilchen, ist schwer messbar und unter normalen Bedingungen nicht explosiv: Es bleibt aber auf ewig hochgiftig, stark radioaktiv und strahlt unmittelbar auf die benachbarten, inneren Bereiche unseres Körpers ein, was sehr schnell zu verschiedensten, verheerenden Krebsarten und monströsen Missbildungen bei Embryonen und Föten fĂŒhrt.

Und allein die Menge der in den letzten 15 Jahren durch Uranprojektile freigesetzten RadioaktivitÀt betrÀgt etwa das zehnfache der oberirdischen Atomtests aus den 40er bis 70er Jahren, schÀtzungsweise soviel wie von 400.000 Nagasaki-Bomben, Tendenz steigend: Afghanistan, Irak, Bosnien, Kosovo und Libanon sind durch die Strahlenkriege von USA und Komplizen bis zum Ende aller Zeiten nach medizinischen Gesichtspunkten unbewohnbar.

Die VĂ€ter der Atombombe wussten von den furchtbaren Folgen der Urangeschosse und ließen sehr bewusst die Finger von dieser entsetzlichen Massenvernichtungswaffe, die UNO Ă€chtete und verbot sie. Aber die heutigen „neoliberalen“ Wissenschaftler, Unternehmer, MilitĂ€rs und Politiker haben nicht zuletzt auch hier in Deutschland die letzten Skrupel verloren.

Denn neben seinen militĂ€rischen QualitĂ€ten ist abgereichertes Uran sehr billig, weil fĂŒr die Lieferanten (Atomkraftwerke) selbst das Verschenken weit preiswerter ist als die eigentlich notwendige Jahrtausende lange Endlagerung.

Damit ist auch erneut die scheinbare Trennung von ziviler und militÀrischer Nutzung der Atomenergie widerlegt: Anti-AKW und Friedensbewegung ziehen auch hier an einem Strang!

Wer allerdings bisher wie selbstverstÀndlich davon ausgehen konnte, die Kriege in anderen LÀndern könnten ihm oder ihr nichts anhaben, wird bitter enttÀuscht werden: Denn der Wind verteilt all den noch in der Luft befindlichen radioaktiven Staub (10-35% des eingesetzten Urans) binnen eines einzigen Jahres rund um den gesamten Globus. Die Zahl seiner Opfer werden spielend in naher Zukunft die Morde eines Hitler, Stalin, oder Pol Pot verblassen lassen und im Laufe weniger Generationen nur noch in Milliarden zu zÀhlen sein.

Krieg und Massenmord kehren also auch unaufhaltsam zu ihren Verursachern zurĂŒck: Den großen Industrienationen und ihren perversen Kriegs- und Wirtschaftsmethoden. Ein weiterer Grund fĂŒr die Friedensbewegung, sich massiv an den Protesten in Heiligendamm gegen die kriminellen, sog. G8 zu beteiligen:

Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt!

Letztes Update: 03.11.2007 13:06
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