Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen Mainz

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KranzverhĂĽllung 2017
Flugblatt von 2014

Kriegsverherrlichung und Heldenverehrung in Mainz

An Kriegsdenkmälern in Mainz werden alljährlich am „Volkstrauertag“ Kränze zur Kriegsverherrlichung und Helden­verehrung niedergelegt.

Flugblatt von Februar 2014 als pdf-Datei mit Abbildungen

Seit Jahren üben die DFG-VK und andere Kritik daran. Vor allem der am kriegsverherrlichenden Kriegsmarinedenkmal am Rheinufer alljährlich im Namen des Oberbürgermeisters angebrachte Kranz steht in Mittelpunkt der Kritik.

Nachfolgend ein Ăśberblick ĂĽber die Ereignisse:

 

November 2017:

KranzverhĂĽllung

Auch 2017 wurde zum "Volkstrauertag" am 19. November in Mainz wieder ein Kranz im Namen des Oberbürgermeisters am am kriegsverherrlichenden Kriegsmarinedenkmal aufgehängt.

Der Denkmaltext verherrlicht nicht nur vergangene Kriege, sondern fordert künftige Generationen auf, sich selbstmörderisch in den Krieg zu stürzen.

Wieder - wie bereits 2014, 2015 und 2016 - hat Hans Ripper, Friedensaktivist und Mitglied der DFG-VK, reagiert: Diesmal hat er, unterstĂĽtzt von anderen Friedensfreund*innen,  den Kranz schwarz umhĂĽllt und mit einem erläuternden Kommentar versehen. KranzverhĂĽllung 2017

 

November 2016:

Kranzschleife gekĂĽrzt

Der Oberbürgermeister hat schon wieder am Kriegsmarinedenkmal einen Kranz aufhängen lassen. Hans Ripper, aktives Mitglied der DFG-VK, hat auch in diesem Jahr nicht tatenlos zugesehen: er hat die Schleife mit dem Aufdruck „Der Oberbürgermeister – Landeshauptstadt Mainz“ um diese Zeilen gekürzt.

Hans Ripper Oberbürgermeister Ebling bereits in den letzten beiden Jahren gebeten, die Kranzaufhängung zu unterlassen, da insbesondere zwei Textstellen der Inschrift des Denkmals zu neuen Kriegen aufrufen. 2015 hatte Hans Ripper den Kranz ordnungsgemäß entsorgt (siehe unten), 2014 hatte er den Kranz entfernt und OB Ebling ins Büro gebracht. (Mehr dazu und Link zum Film dazu weiter unten und hier)

In seinem Offenen Brief an OB Ebling erklärte Hans Ripper: "Nicht nur Pazifisten werden erkennen, dass es unangemessen ist, Kriegstotenehrung mit einem Aufruf zu erneuten Kriegen in Zusammenhang zu bringen. Dazu gehören auch die neuen Kriege der Bundeswehr, die offiziell Auslandseinsätze genannt werden. Solcher Art öffentliche Ehrung will ich auch weiterhin nicht tatenlos zusehen. Deswegen habe ich den Schleifenaufdruck entfernt."

Pressemitteilung  und Offener Brief von Hans Ripper, 17.11.2016

Interview der Zwischenzeit mit Hans Ripper, 22.11.2016

 

November 2015:

Kranz am Kriegsmarinedenkmal "ordnungsgemäß entsorgt"

Seit Jahren hinterlässt die Stadt Mainz alljährlich am Volkstrauertag am Kriegsmarinedenkmal am Rheinufer einen Kranz. Auch 2015. Wie im vorhergehenden Jahr hat der Friedensaktivist Hans Ripper den Kranz entfernt.

Das Kriegsmarinedenkmal am Rheinufer am Fischtorplatz geht weit über andere Denkmäler hinaus, weil es nicht nur vergangene Kriege verherrlicht, sondern zu künftigen Kriegen auffordert, wie der Inschrift zu entnehmen ist: Unter anderem heißt dort:

"Den Gefallenen zum Gedächtnis
Den Lebenden zur Anerkennung
KĂĽnftigen Geschlechtern zur Nacheiferung."
(vollständiger Text weiter unten)

Zur Vorbereitung eines neuen Kriegs hatten die Nazis 1939, kurz bevor sie den Zweiten Weltkrieg begannen, das Denkmal errichtet.

Seit Jahren kritisieren die DFG-VK und andere, dass sich die Stadt Mainz sich mit ihrer kommentarlosen Kranzniederlage an dieser Stelle die kriegerische Botschaft des Denkmals zu eigen macht.

2015 hatte die Stadt Mainz im Namen des OberbĂĽrgermeisters am Volkstrauertag erneut einen Kranz am Kriegsmarinedenkmal am Rheinufer am Fischtorplatz hinterlassen. Und wieder sah sich Hans veranlasst, den Kranz zu entfernen. In seinem Brief an den OB schrieb Hans am 4. Dezember:

"Ich habe heute den in Ihrem Namen niedergelegten Kranz am Kriegsmarinedenkmal am Fischtorplatz entfernt und ordnungsgemäß entsorgt."

Hans wies wie im vorhergehenden Jahr auf die Unvereinbarkeit von Totengedenken und Kriegsverherrlichung an diesem Denkmal hin. Sein Brief schlieĂźt mit den Worten:

"Die Kranzniederlegung in Ihrem Namen an diesem Denkmal ist eine Verherrlichung von Krieg.
Letztes Jahr hoffte ich noch auf Ihre Einsicht, nicht wieder dem Marineverein einen Kranz zur Totenehrung zu überlassen. Meine Hoffnung ist nicht Erfüllung gegangen. – Schade."

Februar 2015:

In Mainz wird 2015 der Opfer der Bombardierung der Stadt am 27. Feb­ruar 1945 70 Jahre zuvor gedacht. Im Vorwort zur Broschüre mit dem Veranstaltungsprogramm der Stadt Mainz zum 70. Jahrestag der Zerstörung von Mainz schreibt Oberbürgermeister Ebling:

"Wir brauchen diesen Tag des Gedenkens, weil unsere Zukunft auch auf Erinnerung und Erfahrung gründet. Gerade heute, da eine Generation in der Verantwortung steht, die die Schrecken dieses Weltkriegs nicht erlebt hat, müssen wir die Erinnerung bewahren. Nur dann können wir uns auch verantwortungsvoll an internationalen Einsätzen beteiligen.“ (Hervorhebung durch die DFG-VK)

Es ist kaum zu glauben, aber offensichtlich wahr: Nein zur Instrumentalisierung des GedenkensOberbĂĽrgermeister Ebling will das Ge­denken an die Schrecken des Krieges nutzen, um fĂĽr deutsche Militäreinsät­ze im Ausland zu werben. Das passt zu den Kranzniederlegungen der Stadt Mainz am Kriegsmarinedenkmal mit seiner Aufforderung: KĂĽnftigen Geschlechtern zur Nacheiferung.  

November 2014

2014 hatte der Friedensaktivist Hans Ripper den Kranz entfernt und dem Oberbürgermeister ins Rathaus in sein Büro zurückgebracht, mit einem Begleitschreiben als Erläuterung. Quer TV hat das Geschehen in einem Videofilm dokumentiert: Heldenverehrung ist Kriegsverherrlichung 5:15 min

Am Fischtorplatz, direkt am Rhein­ufer steht das 1939 errichtete Marine-Ehrenmal. Der Ober­bürger­meister lässt dort am „Volkstrauer­tag“ einen Kranz niederlegen. Er ehrt den zu Beginn des ERSTEN WELTKRIEGES „heldenhaft gesunkenen Kreuzer Mainz“ und zwei weitere verlorene Kriegsschiffe. So die Inschrift auf dem Stein. „Den Gefallenen zum Gedächtnis und künftigen Geschlechtern zur Nacheiferung“, ist die unerträgliche Fortsetzung für die mit dem Schiff ertrunkenen Kriegstoten. Das ist Kriegs­verherr­lichung oder gar Aufhetzung zum nächsten Angriffskrieg.

In der 1933 errichteten Anlage 117er Ehrenhof wird einer Wehrmachts­division von einer Studenten­verbindung an demselben Tag mit Kranz gedacht. Auf dem 1961 errichteten Denkmal sind die Orte der Gemetzel, sogenannte „Schlacht­orte“ des Kriegs­verbands eingemeißelt. Das erinnert an die Errichtung von Denkmälern für die Schlacht bei Sedan in Frankreich.

Bei der Stadt Sedan siegte Preußen mit seinen Verbündeten 1871 über Frankreich. Worauf das militaristische deutsche Kaiserreich gegründet wurde und alljährlich an Schulen und anderen staatlichen Anstalten durch Nachstellen der Schlacht den „Sedanstag“ feierte.

Die Angehörigen des Wehrmachts­verbandes werden mit der Inschrift „Wir waren eins in der Liebe zur Heimat und haben alles gegeben – Bruder wie klein ist dein Streit“ ins Heldentum erhoben.

Volkstrauertage, Heldengedenktage, Ehrenhaine mit ritualisierenden Kranz­niederlegungen sind kriegs­verherrlichend. Das ist Geschichte. Um die Kriegstoten aus den beiden Weltkriegen trauern nur noch wenige überlebende Angehörige. Und die Toten aus den Auslandseinsatz-Kriegen der Bundeswehr brauchen keine besondere Würdigung mit zum Teil martialischen Ritualen auf den Bildschirmen, die letztendlich verherrlichen. Kriege dürfen kein Mittel der Politik sein. Sie sind nicht akzeptabel.

Trauer um „Gefallene“? Dass der Arbeitgeber Bundeswehr bei Betriebs­unfällen mit Todesfolge den Angehörigen sein Beileid über den Verlust zum Ausdruck bringt, versteht sich von selbst.

Der Soldatenberuf ist so unzeitgemäß wie der eines Henkers.
Krieg ist ein Verbrechen an der Menschheit.

Inschrift auf dem Marine-Ehrenmal am Rheinufer:

Der Patenstadt Mainz - Deutschlands Kriegsmarine - Deutschem Kreuzergeist zur Ehre

FĂĽr die Wahrung des Rechts u. Wahrung der Ehre des Reichs - In allen Meeren

Schutz dem Frieden der Welt.

Zum ewigen Gedenken an den heldenhaften „Kreuzer Mainz“ Patenschiff unserer Stadt am 28. Aug. 1914 mit wehender Flagge ehrenhaft vor dem Feind im Seegefecht vor Helgoland gesunken. 163 Kameraden starben hierbei den Heldentod. Kommandant Kapitän zur See Wilh. Paschen. Gleichzeitig sanken die Kreuzer Köln und Ariadne und Torpedoboot V187.

Den Gefallenen zum Gedächtnis - Den Lebenden zur Anerkennung - Künftigen Geschlechtern zur Nacheiferung.

INSCHRIFT des 1961 am 117er Ehrenhof errichteten Ehrenmals für die 263. Infanteriedivision „Kurland“:

„Wir waren eins in der Liebe zur Heimat und haben alles gegeben – Bruder wie klein ist dein Streit“

[Es folgen die „Schlachtorte“]

1940 + OISE – AISNE – Noyon – Seine – Loire –Atlantik – Küste
1941 + BRANSK – MOTSCHULY – JELNJA – BOGEN – NARA – BRÜCKENK
1942 + KOSCHNJAKI – JUCHNOW – POPOLTA
1943 + VORWELIKIJE – LUKINEVEL
1944 + IDRIZA – MODOHN
1945 + KURLAND

Russ. Gefangenschaft: Divisionsstab 263 – Inf. Regiment 463 – Inf. Regiment 463 – Inf. Regiment 483 – Inf. Regiment 485 – Art. Regiment 253 – Aufkl. Abteilung 263 – Pion. Bataillon 263 – Panzerjäger Abtl. 263 – Füs. Bataillon 263 – Nachr. Abteilung 263 – Feldersatz Btl. 263 – Vers. Regiment 263 – Sanitätseinheiten 263

Unseren Gefallenen – Verm. und in Russ. Gefangenschaft verst. Kameraden zur Erinnerung + 1961 +

Die DFG-VK Mainz hatte bereits mehrmals die Kranzniederlegungen der Stadt Mainz an diesem kriegsverherrlichenden Denkmal und seiner zu neuen Kriegen aufhetzenden Inschrift kritisiert

Debatte ĂĽber das Kriegsmarinedenkmal in Medien

Letztes Update: 22.11.2017 15:45
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