Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen Mainz

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Rede fĂŒr die DFG-VK Mainz bei der Anti-Nazi-Demo in Wiesbaden am 8. Mai 2010

Ich spreche fĂŒr die Gruppe Mainz der DFG-VK, das ist Deutsche Friedensgesellschaft Vereinigte Kriegsdienstgegnerinnen und Kriegsdienstgegner.

Liebe Freundinnen und Freunde, wir sind alle hierher gekommen, weil wir verhindern wollten, daß Neonazis in Wiesbaden marschieren. Nachdem es in letzter Zeit in einer ganzen Reihe von StĂ€dten gelungen war, Nazis durch entschlossenes und massenhaftes Entgegen­treten in ihre Schranken zu weisen, konnten wir durchaus erwarten, daß dies auch hier gelingen könnte; zumal sich hier ein BĂŒndnis von wirklich beeindruckender Breite und ĂŒber alle sonstigen Differenzen hinweg bildete. Warum die Nazis jetzt offensichtlich dennoch marschierten, ist vorhin bereits ausfĂŒhrlich erlĂ€utert worden und auch welche Konsequenzen das in Zukunft hier in Wiesbaden haben muß und wird. Wie hier von den Verantwortlichen der Stadt alle erdenklichen Anstrengungen unternommen wurden, um den „Jungen Nationaldemokraten“ praktisch einen roten Teppich auszurollen, fand bereits seinen peinlichen Niederschlag, das fand gestern oder vorgestern schon einen peinlichen Niederschlag indem sich Nazis auf einer rechten Internetseite bei der Stadt Wiesbaden fĂŒr den freundlichen Empfang bedankt haben!

Als hier lebender Wiesbadener BĂŒrger will ich dazu nur das eine noch sagen:

Das ist eine Schande fĂŒr diese, unsere Stadt und fĂŒr das Land Hessen!


Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde!

ich stehe ja hier fĂŒr die DFG-VK Gruppe Mainz, jetzt hier noch ein bißchen was zu dem Anlaß der uns hier geboten wird.

Daß die Jungen Nationaldemokraten mit sog. „freien und nationalen FriedenskrĂ€ften“ zur Demonstration aufrufen und dabei in zynischer und verlogener Weise Forderungen der Friedens­bewegung parodieren ist vollkommen absurd. Allerdings ist es nicht neu, daß Nazis gewissermaßen Mimikri betreiben und fremde Anliegen instrumentalisieren um sich anzubiedern, um ihre rassistische, nationalistische, diktatorische, menschenverachtende und mörderische Ideologie zu verbreiten.

Das haben wir vor einem Jahr am 1. Mai in Mainz erlebt, dort versprachen die Nazis soziale Gerechtigkeit. Dabei sind sie Erzfeinde der Gewerkschafts- und Arbeiterbewegung, und wenn Faschisten Arbeit versprechen oder androhen, dann lĂ€uft es erfahrungsgemĂ€ĂŸ auf rassistische Ausgrenzung, auf Arbeitsdienst und Arbeitslager hinaus.

Am 1. August in Friedberg wollte die NPD gegen Islamisierung demonstrieren. Doch fĂŒr Nazis ist Kritik an Islamisierung nur ein Vehikel fĂŒr Rassismus und AuslĂ€nderfeindlichkeit. Denn ob Menschen aus nahöstlichen LĂ€ndern Atheisten, Christen oder Muslime sind, das ist Rassisten vollkommen egal.


Dass Nazis sich nunmehr als „FriedenskrĂ€fte“ gebĂ€rden, ist genauso abwegig. WĂ€hrend fĂŒr andere Ideologien Gewalt primĂ€r Mittel zum Zweck ist und meist der Staatsgewalt ĂŒberlassen wird, zeichnet sich der Faschismus durch eine extreme Verherrlichung von MilitĂ€r und Ge­walt aus. Wenn angesichts der MonstrositĂ€t der NS-Verbrechen ausgerechnet Nazis vorge­ben, gegen Folter und Kriegstreiberei zu demonstrieren, ist das nichts anderes als lĂ€cherlich.

Die Kritik der jungen Nationaldemokraten an der Kriegspolitik der USA ist lediglich deutsch­national und eurofaschistisch motiviert.


In den letzten beiden Jahrhunderten war Nationalismus die massenmörderischste Kriegs­ur­sache. Wer wirklich fĂŒr Frieden eintritt, lehnt, MilitĂ€r, Kriegspolitik und Nationalismus ab.

Pazifistinnen und Pazifisten verurteilen jeden Krieg als Verbrechen an der Menschheit und arbeiten grenzĂŒberschreitend, transnational an der Beseitigung der Kriegs-Ursachen. Gerade im Rhein-Main-Gebiet sind hier lebende Menschen aus den USA eine wichtige StĂŒtze der Friedens­bewegung. Sogenannte „Nationale FriedenskrĂ€fte“ sind allerdings ein Widerspruch in sich.

Liebe Freundinnen und Freunde, ich komme hier auch zum Schluß: Eine handvoll EntscheidungstrĂ€ger hat in den letzten Tagen, Wochen und Monaten dafĂŒr gesorgt, daß heute ein paar Dutzend Faschisten durch Erbenheim marschieren und hier ihr Unwesen treiben.

Aber wir stehen immer noch hier in ganz Erbenheim, dort hinten und drĂŒben, mit ein paar Tausend Leuten, quer durch alle Bereiche der Zivilgesellschaft und werden hier auch in Zukunft zusammenstehen, um auch in Wiesbaden ein klares Zeichen zu setzen, und wir sagen:

Wir wollen hier keine Nazis – und auch nirgendwo sonst!

Letztes Update: 12.03.2011 20:42
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