Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen Mainz

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3. Zum iranischen Atomprogramm

Iran verf├╝gt neben seinen gewaltigen ├ľlvorkommen ├╝ber die zweitgr├Â├čten Naturgasreserven der Erde, regenerative Energietr├Ąger wie Wind oder Sonne sind bereits heute bei Streichung von Subventionen f├╝r fossile Energien im Iran rentabel zu betreiben (3). Dass es in der Frage des iranischen Atomprogramms nicht nur um die Energieversorgung des Landes geht - so die bisherige offizielle Begr├╝ndung - gab Staatspr├Ąsident Chatami erstmals im Oktober 2004 in einer Pressekonferenz indirekt zu: "Noch verf├╝gt Iran nicht ├╝ber die Atomtechnologie und dennoch diese Aufregung. Gleichzeitig ist jedoch nicht die geringste Sorge dar├╝ber sp├╝rbar, dass andere Atomwaffen haben und sie auch herstellen" (4). Recht deutlich, worum es eigentlich geht, wurde der iranische Verteidigungsminister Shamkhani, der darauf hinwies, dass "wir uns nach der herrschenden Lehre ganz sicher bedroht f├╝hlen und dass wir uns f├╝r den denkbar ung├╝nstigsten Fall vorbereiten. (...) Ein Land, das sich darauf nicht einstellt, wird das Schicksal erleben wie Irak" (5). Solange USTruppen im Nachbarland Irak gebunden und daher kaum in der Lage sind, einen neuen Krieg zu beginnen, scheint den konservativen Mullahs das Zeitfenster g├╝nstig, zur Atommacht aufzusteigen.

Die USA versuchen Russland, das die beiden Atomreaktoren bei Bushir baut, unter Druck zu setzen, was bereits zu Bauverz├Âgerungen gef├╝hrt hat. Pakistanisches Know-how unterst├╝tzte ├╝ber Jahre hinweg Iran beim Aufbau seines UranAnreicherungsprogramms.

Nach der Unterzeichnung des Zusatzprotokolls zum internationalen Atomwaffensperrvertrag im Dezember 2003 durch die Regierung in Teheran forderte Hasan Rohani, iranischer Chefunterh├Ąndler f├╝r Atomfragen, den Gouverneursrat der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) auf, die Iran-Akte zu schlie├čen. Die Wiener Atombeh├Ârde widersetzte sich, weil sie zuvor noch Auskunft ├╝ber die Herkunft angereicherten Urans verlangte, das IAEOInspekteure in iranischen Anlagen gefunden hatten. Auch die Auskunft ├╝ber die Herkunft von Gaszentrifugen, mit denen spaltbares Material sowohl f├╝r friedliche Zwecke als auch f├╝r Atombomben hergestellt werden kann, blieb bisher von Seiten der iranischen Regierung offen. Die IAEO legte 2004 den UN-Sicherheitsratsmitgliedern einen vertraulichen Bericht ├╝ber das iranische Atomprogramm vor, demzufolge die Regierung in Teheran eine gro├če Menge Uran zur Anreicherung vorbereitet. Im August 2004 best├Ątigte der iranische

Au├čenminister Kharrazi, "dass sein Land den Bau von hoch angereichertem Uran wieder aufgenommen habe" (6).

Die Taktik Irans besteht offensichtlich darin, einerseits Fakten zu schaffen, d.h. alle Bausteine f├╝r die angestrebte atomare Bewaffnung zu sammeln und andererseits auf dem Weg zu diesem Ziel jeweils gerade so viel mit der IAEO zu kooperieren, dass die USA oder Israel keine ausreichende Legitimation f├╝r einen Milit├Ąrschlag oder UNSanktionen bekommen. Wie lange dieser Spagat aufrecht erhalten werden kann, ist v├Âllig offen. Westliche Geheimdienste vermuten, dass es noch mindestens drei bis f├╝nf Jahre dauern wird, bis Iran in der Lage ist, eine Atombombe zu bauen. "Irans Radiostationen erkl├Ąren den H├Ârern haargenau den Unterschied zwischen Schwer- und Leichtwasserreaktoren. Die Atomtechnik wird zum Symbol des Nationalstolzes erhoben", beschrieb "Die Zeit" am 16.12.2004 eine weitere Facette des derzeitigen Konfliktes.

Letztes Update: 03.11.2007 13:06
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