Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen Mainz

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3. Besuch bei der Imam Ali Foundation for Translation and Publication

und Begegnung mit dem Direktor des Zentrums f√ľr Glaubensforschung (www.aqaed.com), Mohammad Al-Hassoun sowie mit Ahmed Haneef von der Islamic Foundation of Cooperation (www.islamlife.org)

Die Imam Ali Foundation for Translation and Publication sei ein Ort der Begegnung, wo Intellektuelle sich zum Austausch treffen, besonders auch Schiiten und Sunniten.
Der Direktor des Institutes, Mohammad Al-Hassoun, ist im irakischen Nedschef geboren und war zunächst Ingenieur im Irak. Vor einigen Jahren kam er an das Institut und promovierte in Islamwissenschaften. Er ist Autor vieler Veröffentlichungen und hat bereits Vorträge bei etlichen Kongressen in arabischen Länden, ebenso in Schweden, Dänemark und England gehalten.

Er gibt uns eine Einf√ľhrung in den Islam. Im Islam gebe es nichts, was dem Intellekt widerspreche. Alle Aspekte des menschlichen Lebens w√ľrden im Islam ber√ľcksichtigt. Der Islam biete die Grundlagen, alle Menschen zu Frieden und Gerechtigkeit zu f√ľhren.
Der Islam sei keineswegs eine Religon des Extremismus und der Intoleranz, sondern vielmehr ein Lebensprogramm. Da er alle Aspekte des Politischen und des Sozialen umfasse, gebe es auch keine Probleme damit, dass der Islam Staatsreligion im Iran ist.

Unser zweiter Gespr√§chspartner, Ahmed Haneef von der Islamic International Foundation of Cooperation, wurde vor 49 Jahren in Trinidad und Tobago geboren und lebte zun√§chst in Kanada. Er wuchs im katholischen Glauben auf und konvertierte zum Islam wegen der islamischen Revolution, die f√ľr ihn gro√üe soziale Fortschritte versprach. Er ist mit einer Muslima verheiratet und hat vier Kinder. Sein Sohn, 15 Jahre, nimmt unser Gespr√§ch mit einer Videokamara auf.
Vor zwölf Jahren kam die Familie nach Qom, wo Ahmed Haneef begann, Islam zu studieren. In seiner Suche als Schwarzer habe er Antworten im Islam auf der Suche nach seiner Indentität gefunden.
An der islamischen Revolution faszinierte ihn besonders, dass Theorie Praxis wurde. Alle Aspekte des Lebens w√ľrden im Islam integriert.
Heute arbeitet er als Lehrer und Übersetzer von Farsi ins Englische und hält viele Vorträge.

Auf die Frage, wie religi√∂ser Extremismus bek√§mpft werden kann, antwortete er, dass im Islam alle Facetten des Extremismus verboten seien. So, wie nicht jeder Christ dem Evangelium folgen w√ľrde, folgten allerdings auch viele Muslime nicht dem Islam.

Bei der Besch√§ftigung mit dem Ph√§nomen der Selbstmordattent√§ter m√ľsse nach den Ursachen gefragt werden. Grunds√§tzlich sei f√ľr ihn ein Selbstmordattent√§ter, der sein Leben im Kampf riskiert, nicht sehr viel anders zu sehen als ein Soldat, der beim Kampf ebenso sein Leben riskiert.

Im Iran gebe es einen prominenten Fall eines Selbstmordattent√§ters aus dem Iran-Irak-Krieg 1980-88, der als Martyrer verehrt wird. Beim Anr√ľcken eines irakischen Panzers habe dieser Iraner durch die Zerst√∂rung des Panzers sein eigenes Leben verloren, allerdings das Vorr√ľcken des Panzers und dessen weitere Zerst√∂rungen gestoppt.
Bei der Beurteilung von Selbstmordattentaten sei auch zu unterscheiden, ob es sich um militärische Ziele in einem ungleichen Kampf handele oder um die Tötung unschuldiger ZivilistInnen.

In den Medien der westlichen Welt w√ľrde √ľber die israelischen Opfer pal√§stinensischer Selbstmordattent√§terInnen h√§ufiger und ausf√ľhrlicher berichtet als √ľber die Opfer auf pal√§stinensischer Seite.

Nach der Lehre des Islam sei es nicht nur wichtig, gerechte Handlungen zu begehen, sondern auch, schlechte Handlungen zu vermeiden. Friedenshandeln nach der Lehre des Koran bestehe darin, im konkreten Handeln gewaltfrei gegen Unrecht zu protestieren; wenn dies nicht möglich ist, das offen auszusprechen, was ungerecht ist, und wenn dies nicht möglich ist, das, was unrecht und schlecht ist, im Herzen zu hassen.

Eine M√∂glichkeit der Verst√§ndigung zwischen Iran und der westlichen Welt besteht f√ľr ihn in der F√∂rderung alternativer Medien und der intensiven Besch√§ftigung mit dem Islam.

Im Islam gebe es keine Rechtfertigung f√ľr Angriffskriege, allerdings sei die milit√§rische Selbstverteidigung wie im Falle des Angriffskrieges 1980 von Irak ausgehend erlaubt.

Auf die Frage, welche Kooperationsprojekte es mit den USA und der EU gibt, verweist Herr Al-Hassoun auf die Arbeit des Ali Chomeini Instituts, dessen interreligiöse Foren und Kongresse sowie Einladungen an Wissenschaftler aus verschiedenen Teilen der Erde.

Die Frage, ob es im Islam auch Raum gibt, die jeweilige Politik der Regierung zu kritisieren, bejaht Herr Haneef. Die Regierung zu kritisieren, sei kein Verbrechen.
Nicht hinnehmbar seien allerdings die Terrorangriffe der Mudjahedin-Organisation "el-Khalq", die vom Irak aus im Iran operierten, fr√ľher Saddam Hussein unterstanden und nun im Auftrag des US-Geheimdienstes handeln w√ľrden.

Herr Al-Hassoun erläutert den Weg zum Ayatollah.
Um Ayatollah zu werden, k√∂nne man ab dem 15. Lebensjahr zun√§chst f√ľnf Jahre die arabische Sprache studieren. Anschlie√üend folgte ein 3-5 j√§hriges Studium der Islamwissenschaften. Wer diesen Teil abgeschlossen und sein Diplom erlangt habe, k√∂nne einen Turban tragen, m√ľsse dies aber nicht. Ob jemand Ayatollah wird, h√§ngt von dem Ruf des betreffenden Lehrers ab, den dieser bei seinen StudentInnen und Anh√§ngern genie√üt.

Frauen könnten auch Kleriker werden, auch Ayatollas. Frauen hätten spezielle spirituelle Zugänge und könnten sich schneller mit Allah verbinden als Männer, meint Herr Haneef.
Derzeit gebe es eine Frau, die Ayatollah sei.

Fragen nach dem aktuellen Atomkonflikt verwies Herr Al-Hassoun an die zuständigen Politiker, gab allerdings auch seine persönliche Meinung preis. Er erwähnte zunächst, dass Ayatollah Chomeini grundsätzlich gegen Atomwaffen war.
Als B√ľrgerInnen der USA und der EU sollten wir in unserer Heimat die doppelten Standards kritisieren, die Israel und Iran betreffen. Israel habe bis heute sein Atomprogramm weder gemeldet noch sich Kontrollen der Internationalen Atomenergie Organisation (IAEO) in Wien unterworfen, wie Iran dies getan habe.

Letztes Update: 03.11.2007 13:06
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