Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen Mainz

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Die ErklÀrung von Mehmet Tarhan

"Gerade gestern wurden Bomben auf die afghanische Bevölkerung geworfen. Morgen wird es die irakische Bevölkerung treffen. Dies wird mit den Flugzeugen in Verbindung gebracht, die die ZwillingstĂŒrme am 11. September zusammenbrechen ließen und den Tod von Tausenden verursachten. Es wird auch auf die Bewaffnung des Iraks Bezug genommen. All dies ist eine TĂ€uschung, damit die ganze Welt den gestrigen Angriff unterstĂŒtzt.

SolidaritÀt
SolidaritÀt

Ich verfluche jede Art von Gewalt und glaube, dass es nur neue Gewalt geben wird, wenn Gewalt unterstĂŒtzt oder akzeptiert wird. Jeder und jede, die daran beteiligt sind, sind fĂŒr die nachfolgende Traumatisierung verantwortlich. Ich denke, dass Kriege von wirtschaftlich mĂ€chtigen Staaten zuallererst das Recht auf Leben verletzen. Das stellt ein Verbrechen gegen die Menschheit dar. Kein internationales Abkommen oder internationales Recht kann dies rechtfertigen, ungeachtet aller rationalen GrĂŒnde. Ich erklĂ€re deshalb, dass ich mich unter keinen UmstĂ€nden an solchen Verbrechen beteiligen werde. Ich werde in keinem MilitĂ€rapparat Dienst leisten.

Ich sehne mich nach Menschlichkeit, die jede intrigante Macht hinter sich lĂ€sst, die auf Grenzen verzichtet, in Harmonie mit der Natur und gewaltfrei lebt. Dass dies in der Praxis nicht existiert, Ă€ndert nichts an meinem Einsatz dafĂŒr.

Ich glaube nicht an die Notwendigkeit einer Institution, die Staat genannt wird. Ich fĂŒhle keine LoyalitĂ€t zu irgendeinem Staat. Ich werde niemals dem nachkommen, was als BĂŒrgerpflicht prĂ€sentiert wird und zur StĂ€rkung der militĂ€rischen Strukturen beitrĂ€gt. Der Staat, der mich zu seinem BĂŒrger erklĂ€rt, will mich um sich selbst willen rekrutieren. Er will mich ausbilden und zu einem Werkzeug des Krieges machen, das fĂŒr seinen Herrn sterben oder töten kann. Mehr noch, er will mich integrieren. Ich werde es nicht dazu kommen lassen und werde meine Überzeugung beschĂŒtzen.

Es gibt die Möglichkeit, als homosexuell ausgemustert zu werden, indem ich mich auf einen sogenannten 'faulen Bericht' einlasse. Das wurde mir als 'geeignet' prĂ€sentiert. Es zeigt aber nur, wie faul diese Anordnung selbst ist. Als ein Individuum bin ich entschlossen, keiner Armee oder irgendeiner anderen Institution irgendeines Staates zu dienen. Ich wĂŒrde es als eine Beleidigung meiner selbst und der Menschlichkeit ansehen, eine Ausrede zu benutzen und verweigere deshalb eine ZurĂŒckstellung oder Ausmusterung.

Abschließend will ich betonen: Ich werde niemals den MilitĂ€rdienst ableisten. Ich rufe alle auf: Verweigert den MilitĂ€rdienst, verweigert euch jedem bĂŒrokratischen Prozess zur Einberufung und Ableistung des MilitĂ€rdienstes, verweigert alle Überwachungsmechanismen wie MERNIS[1] oder Steuernummern, zeigt euch solidarisch mit gewaltfreien Aktionen.

Der Weg, den Krieg zu beenden, ist es, ihm die menschlichen Ressourcen zu entziehen.

Jede Art von Gewalt ist ein Verbrechen gegen die Menschheit."

Ankara, 27. Oktober 2001

Übersetzung aus dem Englischen: Rudi Friedrich (Connection e.V.)


1. MERNIS ist eine neue elektronische Datenbank der tĂŒrkischen Sicherheitsorgane

Letztes Update: 03.11.2007 13:06
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