Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen Mainz-Wiesbaden

Rede von Hans-Jürgen Rojahn, DFG-VK Frankfurt,

bei der Kundgebung zum Internationalen Tag der Kriegsdienstverweigerer

Mainz, 16. Mai 2026

 

Mein Name ist und ich komme aus der Frankfurter Gruppe der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegnerinnen und Kriegsdienstgegner.

Ich selbst habe als Evangelischer Pfarrer inzwischen seit über 50 Jahren Kriegsdienstverweigerer beraten und hoffe, das auch noch etliche Jahre tun zu können.

Im Dezember hat der Bundestag das Gesetz mit dem wohlklingenden Namen, das Wehrdienst-Modernisierungs-Gesetz beschlossen. Einmalig – bei der Gesetzgebung des Deutschen Bundestages wurden im Vorfeld die Betroffenen, die Jugendlichen nicht befragt. Bei allen sonstigen Gesetzen werden zuvor die Verbände der Betroffenen durch Befragungen einbezogen. Das ist hier nicht geschehen – die Jugendverbände und auch die Schüler*innen-Vertretungen sind im Vorfeld nicht nach ihrer Meinung zu dem neuen Wehrdienstgesetz befragt worden.  Das soll jetzt im Nachhinein mit der Fragebogen-Aktion geschehen.

Nach diesem Gesetz werden alle Jugendlichen – männlich und weiblich, aber das wisst Ihr ja schon – die zum 1. Januar 2026   18 Jahre alt sind oder im Jahr 2026 18 Jahre alt werden, mit einem Fragebogen aufgefordert zu schreiben, wie sie zur Bundeswehr stehen. Männer müssen den Fragebogen ausfüllen und zurückschicken, Frauen können das tun. Damit wird zumindest auf männliche Jugendliche von Seiten des Staates ein Zwang ausgeübt, ein Zwang ausgeübt, den wir als unzumutbar ablehnen.

Vom 1. Juli 2027 an sollen dann alle männlichen Jugendliche gemustert werden. Das sind pro Jahrgang ca. 350.000. Das ist der nächste Zwang, den wir ablehnen. Abgesehen davon, wie diese enorme Zahl an Musterungen zu bewältigen sein wird, stellt sich die Frage, wie dann, falls es 2027 – wenn die Zahl der Freiwilligen nicht reicht – zur Wiedereinführung der Wehrpflicht kommt, diese große Zahl von Wehrpflichtigen in der Bundeswehr untergebracht werden kann. Es fehlt ja nicht nur an Kasernen, sondern auch an Bettzeug und Unterhosen für die dann neuen Soldaten.

Von einer zurzeit führenden Partei kam ja der äußerst witzige Vorschlag, die Einberufungen per Losverfahren durchzuführen. Also: Ein Volltreffer oder eine Niete sollen dann entscheiden, wie absurd.

Das ginge dann so: Hurra, du hast gewonnen, dann musst Du jetzt zum Militär!   Oder: Hurra, du hast eine Niete gezogen, du darfst nicht hin!

Wie immer das auch geregelt wird, kommt es hier erneut zu einem Zwang, den wir entschieden ablehnen.

Aus diesen Anlässen sind wir heute hier zum Tag der Kriegsdienstverweigerung zusammen.

Wir als Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegnerinnen und Kriegsdienstgegner wenden uns gegen alle Formen von Zwang, vor allem aber gegen den Zwang zum Kriegsdienst. Wir rufen alle Demokraten auf, dem Zwang zum Kriegsdienst zu widerstehen, den Kriegsdienst zu verweigern.

Sie sind dabei in bester Gesellschaft zu unserem Grundgesetz. Dort heißt es in Artikel 4 Absatz 3:

„Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden.“

Es heißt übrigens interessanterweise nicht „zum Wehrdienst gezwungen werden“, sondern zum „Kriegsdienst“. Die Mütter und Väter unseres Grundgesetzes haben da schon sehr genau aufgepasst bei der Formulierung, als sie die „Kriegsdienstbefreiung“ und nicht eine „Wehrdienstbefreiung“ ins Grundgesetz geschrieben haben.

Aber bitte bedenken:

Wer die Kriegsdienstverweigerung anstrebt, sollte sich auf jeden Fall qualifiziert beraten lassen. Dafür stehen hier in Mainz und Wiesbaden gut ausgebildete Beraterinnen und Berater bereit, die Euch gerne hilfreich zur Seite stehen. Sie werden zusammen mit Euch eine gedankliche Reise durch Euer bisheriges Leben durchführen, um die guten Gründe zu entdecken, die zu Eurem heutigen Gewissen gegen jede Form von Gewalt und gegen jede Kriegshandlung geführt haben.

Im Übrigen finde ich es auch ganz wichtig, dass auch Mädchen und Frauen den Kriegsdienst verweigern und so ihre politische Haltung gegen den Krieg und gegen den Kriegsdienst ausdrücken, auch wenn Frauen zur Zeit  nicht  zwangsweise zum Militär verpflichtet werden.

Lasst uns alles tun und unterstützen, was den Krieg und die Kriegsdienste verhindert. Dabei kann auch eine Mitarbeit in den verschiedenen Gruppen der DFG-VK, der Deutschen Friedensgesellschaft helfen.

Lasst und friedenstüchtig werden statt kriegstüchtig.


Erich Kästner: Primaner in Uniform

Hans-Jürgen Rojahn rezitierte bei der Kundgebung zum Internationalen Tag der Kriegsdienstverweigerer in Mainz am 16. Mai 2026 Erich Kästners beeindruckendes Gedicht Primaner in Uniform


 

 

Letztes Update: 17.05.2026, 15:17 Uhr