Aktuell > Schulstreik März 2026
Zweiter bundesweiter Schulstreik gegen Wehrpflicht
Donnerstag, 5. März 2026
Bundesweit Aktionen in verschiedenen Orten: https://schulstreikgegenwehrpflicht.com/ https://www.friedenskooperative.de/aktion/schulstreiks-gegen-die-wehrpflicht-am-5-3
Wiesbaden: Kundgebung 10 Uhr, Dern'sches Gelände Musikalische Begleitung: Strohfeuer Express Mainz: 12 Uhr, Hauptbahnhof: Schulstreikkundgebung von Mainzer Schüler:innen 18 Uhr, Gutenbergplatz: Die Reichen wollen Krieg – die Jugend eine Zukunft. Nein zur Wehrpflicht! Widerstand organisieren! Demonstration gegen Wehrpflicht
Rede von Dr. Gernot Lennert, DFG-VK Mainz-Wiesbaden bei der Kundgebung zum „Schulstreik gegen Wehrpflicht“, Wiesbaden, 5. März 2026 (kürzere Fassung davon bei der Schulstreik-Kundgebung in Mainz)
Ich freue mich hier sprechen zu dürfen und zu erleben, dass es schon zum zweiten Mal einen Schulstreik gegen die sogenannte Wehrpflicht gibt. Der Schulstreik ist ein Akt des Zivilen Ungehorsams und ich bin beeindruckt, dass so viele Schüler und Schülerinnen unter Inkaufnahme etwaiger Nachteile sich daran beteiligen.
Von 2011 bis 2025 wurde in Deutschland niemand mehr zwangsweise erfasst oder gemustert oder zu Bundeswehr oder Zivildienst einberufen, niemand kam mehr wegen Kriegsdienstverweigerung ins Gefängnis. Doch laut Grundgesetz und Wehrpflichtgesetz blieb der Zwang: Seine Anwendung war lediglich ausgesetzt, aber er wurde nicht abgeschafft. Er wurde am 5. Dezember 2025 mit dem Wehrpflichtmodernisierungsgesetz wieder reaktiviert.
Die Bundeswehr hat nicht genug Kasernen, um wie früher sofort ganze Jahrgänge einzuberufen. Deshalb beginnt sie seit Januar mit dem Fragebogen für den Geburtsjahrgang 2008. Für Jugendliche mit männlichem Geschlechtseintrag ist er Zwang, für Frauen freiwillig. Für Zwangsmusterungen des ganzen Jahrgangs hat die Bundeswehr noch nicht die Kapazitäten. Damit soll im Juli 2027 begonnen werden. Zunächst soll es angeblich noch um Freiwilligkeit gehen. Doch allein schon Zwangsfragebögen und Zwangsmusterungen sind Zwang. Ein Gesetz für die Wiederaufnahme von Zwangseinberufungen, die sogenannte Bedarfswehrpflicht, ist jetzt schon eingeplant, wenn der Personalhunger der Bundeswehr nicht durch Freiwillige gestillt wird. Ständig wird gefordert, schnellstmöglich wieder zwangsweise zu rekrutieren. Je mehr die Kapazitäten der Bundeswehr wachsen, desto mehr Zwang ist vorprogrammiert.
Jede Zwangsrekrutierung ist eine Menschenrechtsverletzung und ein Akt der Gewalt. Dazu gehören Freiheitsberaubung und Aufhebung der Rechte auf Leben und körperliche Unversehrtheit, entwürdigende Musterungen, Gewissensprüfungen, Verfolgung von Verweigerung, Zerstörung von Lebens- und Berufsleben und letztendlich auch Verletzungen, Verstümmelungen, Traumata und Tod.
Die Bundeswehr gebärdet sich als Verteidigungsarmee. Doch jede Armee, die Menschen zwangsrekrutiert, greift diese Menschen an und ist ihnen gegenüber eine Angriffsarmee.
Was tun?
Es wurde schon angekündigt, das Ausfüllen des Fragebogens zu verweigern. Ich weiß nicht, was daraus geworden ist. Am wirksamsten ist das erfahrungsgemäß, wenn nicht einzelne isoliert verweigern, sondern wenn es gemeinsam und als öffentliche politische Aktion geschieht. Bei Fragebogenverweigerung drohen Bußgelder. Unklar ist, wie hoch sie sind und wie die Bußgeldverhängung gehandhabt wird. Es ist anzunehmen, dass nächstes Jahr wie früher junge Männer von der Polizei zur Musterung verschleppt werden, wenn sie dort nicht erscheinen. Auf jeden Fall verdienen und benötigen alle, die so mutig Widerstand leisten, Solidarität und Hilfe.
Viele wollen jetzt einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung stellen. Das ist meist ratsam für diejenigen, die schon ins Zwangssystem der Bundeswehr hineingeraten sind: Reservisten und Reservistinnen, Soldaten und Soldatinnen. Doch alle anderen, von denen die Bundeswehr momentan noch keine Dienstleistung fordert, sollten sich gut überlegen, ob und zu welchem Zeitpunkt ein Antrag sinnvoll ist. Die staatliche Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer befreit nur von der Militärdienstpflicht, aber nicht von der Zivildienstpflicht. Wer einen Antrag stellt, muss die Gewissensprüfung über sich ergehen lassen, und eigentlich auch die Musterung. Doch seit Januar ist es in einem Übergangszeitraum möglich, dass Anträge auf Kriegsdienstverweigerung auch ohne vorherige Musterung bearbeitet werden. Es ist schwer einzuschätzen, welche Folgen ein jetzt gestellter Antrag in zwei Jahren haben wird, wenn damit zu rechnen ist, dass dann wieder zu Bundeswehr und Zivildienst einberufen wird. Anerkannte Kriegsdienstverweigerer müssen dann mit Einberufung zum Zivildienst rechnen, der ihnen möglicherweise erspart geblieben wäre, wenn sie keinen Antrag gestellt hätten. Was heute ratsam erscheint, kann schnell überholt sein. Deshalb ist wichtig, ständig zu beobachten, wie sich Gesetzeslage und Behördenpraxis entwickeln. Eine Möglichkeit ist, einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung mit allen Unterlagen vorzubereiten, ihn aber erst dann abzuschicken, wenn man wirklich sicher ist, dass der Antrag nötig ist, um dem Bundeswehrdienst zu entgehen.
Letztendlich hängt es auch von den eigenen Prioritäten ab: Will man so wenig Kriegs- und Zwangsdienst, Musterungen und Gewissensprüfungen wie möglich über sich ergehen lassen? Oder strebt man die staatliche Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer an? Darüber informieren wir in unserer Kriegsdienstverweigerungsberatung. Unsere regionale Kriegsdienstverweigerungsberatungsgruppe in Frankfurt ist per E-Mail erreichbar <kdv-ffm<at>dfg-vk.de>. Sie bietet auch Termine für persönliche Beratung. Wir von der DFG-VK Mainz-Wiesbaden sind gerade dabei, ebenfalls eine Kriegsdienstverweigerungsberatungsgruppe aufzubauen.
Auch in anderen Ländern wird der Kriegsdienstzwang wieder eingeführt oder reaktiviert. Gefährdet sind hier in Deutschland Kriegsdienstverweigerer aus anderen Ländern, die in Deutschland Schutz und Asyl suchen, was nicht einfach ist, denn Kriegsdienstverweigerung allein gilt nicht als Asylgrund. Wenn es darum geht, ihre Untertanen für Militär und Krieg zwangsweise zu rekrutieren, sind selbst miteinander verfeindete Regierungen solidarisch miteinander.
Nein zu allen Kriegs- und Zwangsdiensten! Keine Reaktivierung, sondern Abschaffung der sogenannten Wehrpflicht!
Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung weltweit!
Asyl und Schutz für alle Menschen, die desertieren und sich dem Kriegsdienst verweigern!
Wichtig ist jetzt, weiterhin gegen den Zwang zum Kriegsdienst aktiv zu bleiben. Auf zwei Möglichkeiten dafür möchte ich hinweisen: